Wege in die Selbständigkeit

Der Gedanke sein eigener Chef zu werden, ist der Wunsch vieler Menschen. Ist dieser Gedanke einmal gefasst und die Gründungsidee gefunden, tauchen schnell die nächsten Hürden auf. Allen voran die Frage, wie fange ich meine Selbständigkeit überhaupt an.

Einen standardisierten Fahrplan gibt es allerdings nicht, denn jede Gründung ist anders. Aber hier ist ein kleiner Leitfaden, welcher Ihnen bei der Planung helfen soll, einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt dieser allerdings nicht.

1. Bringen Sie Ihre Gründungsidee zu Papier

An dieser Stelle sollen Sie keine Romane oder sogar schon den Businessplan schreiben. Es geht vielmehr darum die eigenen Gedanken zu sortieren und aber auch darum Andere von der eigenen Idee überzeugen zu können. Es gibt wenig Hinderlicheres, als wenn man beim Vorsprechen für Anträge oder Fördermittel nicht in der Lage ist die eigene Geschäftsidee zu verbalisieren. Versuchen Sie einfach einmal Ihre gewünschte Firma in 3-5 Sätzen zu beschreiben. Wann wollen Sie was gründen? Für wen möchten Sie tätig werden und wie kommen Sie an Kunden? Was ist das Besondere an Ihrer Firma/Dienstleistung? Warum machen Sie sich gerade damit selbständig?

2. Fördermittel und Zuschüsse: Übersicht verschaffen

Ob und in welcher Höhe man Fördermittel verwenden möchte, ist am Anfang nicht immer klar. Natürlich kann man auch ohne den Einsatz von staatlichen Hilfen starten, aber das ist deutlich risikobehafteter und schon allein deshalb sollte man seine Möglichkeiten Fördermittel, Zuschüsse oder günstigere Kredite zu erhalten im Vorfeld prüfen. Deshalb hier erst einmal eine kleine Übersicht, was es überhaupt an Fördermittel gibt.

Zuschüsse zu Beratungen

Die Beratung von Existenzgründern stellt ein Spezialfeld im Bereich der Unternehmensberatung dar und erfordert neben einer entsprechenden Ausbildung auch einiges an Erfahrung in diesem Bereich. Jedoch steht der Notwendigkeit sich bei einer Gründung einen kompetenten Berater an die Seite zu stellen häufig ein begrenztes finanzielles Budget gegenüber. Da Gründungen, welche durch einen Berater betreut werden, in ihrer jeweiligen Entwicklung stabiler verlaufen, gibt es für die Beratung eine Reihe von Fördermitteln. Die Bekanntesten sind die 100%ige Coachingförderung mittels AVGS (von der Agentur für Arbeit oder vom Jobcenter), die Coachingförderung der über die BAFA (je nach Region die Beratung mit bis zu 80% Zuschuss) oder auch Zuschüsse auf Landesebene meist zwischen 50-90 Prozent durch die jeweiligen regionalen Förderbanken.

Zuschüsse zur Finanzierung des Lebensunterhaltes

Gründungszuschuss und Einstiegsgeld sind die bekanntesten Zuschüsse dieser Art. Bei diesen Förderinstrumenten geht es darum, Sie in der Anlaufzeit Ihrer Gründung zu unterstützen und die Grundsicherung der privaten Kosten für Sie zu gewährleisten. Da eine Gründung durchschnittlich 8,1 Monate benötigt um gewinnbringend zu werden, sind diese Zuschüsse eine deutliche Entlastung auf dem Weg zur erfolgreichen Selbständigkeit. Bei Gründungszuschuss als auch beim Einstiegsgeld reicht ein Vorsprechen oder ein formloses Schreiben um den Antrag bei Ihrem zuständigen Sachbearbeiter zu erhalten. Falls Sie bei der Hilfe bei der Beantragung benötigen, unterstützen wir Sie gern.

Kredite und Darlehen

Die Palette der Kredite und Darlehen ist unübersichtlich groß und lässt sich leider nicht in ein paar Zeilen umfassend erläutern. Wichtig zu wissen ist jedoch zunächst, dass sich neben den klassischen Banken vor allem auch die jeweiligen regionalen Förderbanken sowie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Finanzierung von Existenzgründern zur Aufgabe gemacht haben. Somit lohnt es sich in jedem Falle sich über die jeweiligen Landesprogramme zu informieren bzw. informieren zu lassen. Auch dies sollte man schon grob im Vorfeld tun, auch wenn die tatsächliche Gründung noch nicht fixiert ist. Achten Sie hier besonders auch auf den Bereich der Antragsbedingungen. Die meisten Fördermittel müssen mit einem gewissen Abstand zur Gründung beantragt und bewilligt werden, andere verfügen unter Umständen über die Möglichkeit eines sogenannten vorfristigen Maßnahmenbeginns. Auch hier hilft ein Gründungsberater weiter.

Weitere Förderinstrumente

Natürlich gibt es noch viel mehr Fördermittel und je nach Gründung muss man sich hier auch noch einmal speziell beraten lassen. Unbekannter als die oben genannten, aber nicht weniger interessant sind Programme zur Weiterbildungsförderung oder auch zur Einführung bzw. Entwicklung innovativer Produkte. Ergänzend können Investitionszuschüsse für bestimmte Vorhaben und Branchen in Betracht kommen. Wer Mitarbeiter einstellen möchte sollte sich im Vorfeld auch über mögliche Förderungen informieren. Hier lohnt es sich rechtzeitig sich vertiefend mit derartigen Förderstrukturen zu beschäftigen.

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3. Fördermittel? Brauche ich nicht!

Dann können Sie Ihre Gründung damit beginnen, Ihre Selbständigkeit anzumelden. Freiberufler wenden sich hierbei direkt an das Finanzamt, Gewerbetreibende melden sich beim Gewerbeamt an. In beiden Fällen wir hier der „Fragebogen zur Steuerlichen Erfassung“ benötigt. Je nach Unternehmensart werden noch weitere Qualifikationen und Abschlüsse abgefordert, hier informieren die jeweils zuständigen Kammern bzw. bei Freiberuflern das Finanzamt.

4. Fördermittel und Zuschüsse, ja bitte!

Haben Sie sich für die Verwendung von Fördermittel, Zuschüssen oder Förderkredite entschieden und selbige gesichtet, besteht Ihre erste Aufgabe nun darin zunächst alle gewünschten Anträge zu organisieren.

4.1. Anträge organisieren

Anträge für regionale Förderprogramm der Förderbanken erhalten Sie in der Regel auf den Webseiten als Download. Unterlagen für Gründungszuschuss und Einstiegsgeld erhalten Sie auf Nachfrage bei Ihrem Sachbearbeiter in der Agentur für Arbeit oder aber beim Jobcenter. Wenn Sie Beratungsförderungen verwenden möchten, liefert Ihnen Ihr gewählter Gründungsberater in aller Regel selbst alle notwendigen Unterlagen oder informiert Sie, wo sie selbige erhalten können.

4.2. Ablauf strukturieren

Sichten Sie die Unterlagen und informieren Sie sich, in welchem Zeitraum vor der Gründung welcher Antrag eingereicht werden muss. Machen Sie sich eine Liste, welche Unterlagen Sie dafür einreichen müssen und tragen Sie die Daten, am besten mit einer kleinen Sicherheitszeit, in einem Kalender ein, damit Sie die Daten immer im Auge haben.

4.3. Zusammentragen und fertigen aller Unterlagen

Nun geht es ans Eingemachte. Für nahezu jeden Antrag benötigen Sie den Businessplan nebst Zahlenteil. Hier empfiehlt es sich, sich zunächst um den Zahlenteil zu kümmern.

Der Zahlenteil zuerst.

Es existiert eine Vielzahl von Vorlagen im Netz auf welche Sie zurückgreifen können. Achten Sie darauf die ersten 6 Monate detailliert sowie das erste bis dritte Unternehmensjahr mit Daten zu füllen.

Das Ausfüllen fällt leichter, wenn man zunächst die Werte einträgt, welche man tatsächlich kennt oder schnell beschaffen kann. Kümmern Sie sich also zunächst um die monatlichen Ausgaben und tragen Sie die Werte für Ihre betrieblichen Kosten wie Versicherung, Miete, Strom, Porto, evtl. Personalkosten usw. zusammen. Bitte romantisieren Sie die Ausgaben auch nicht, denn in aller Regel wird sogar immer etwas mehr ausgegeben als man ursprünglich plant.

Wenden Sie sich nun den einmaligen Kosten zu. Welche einmaligen Anschaffungen müssen Sie tätigen, damit Sie überhaupt starten können? Machen Sie sich hier eine kleine Extraliste, denn diese Investitionen müssen hinsichtlich der Finanzierung gesondert betrachtet werden.

Hat man alle Kosten zusammen geht es nun um die Einnahmen. „Woher soll ich das denn so genau wissen, was ich einnehmen werde?“ – dieser Gedanke ist falsch. Es geht nicht um das genaue Wissen, es geht darum, wieviel erwirtschaftet werden muss um auf einen grünen Zweig zu kommen. Für Sie stellen die fixierten Einnahmen also einen Zielwert dar, welchen Sie erwirtschaften wollen. Gleichzeitig müssen die Einnahmen realistisch sein, d.h., Kalkulationen, welche nur dann einen Gewinn erzielen lassen, wenn man pro Monat 400 Stunden arbeitet als Ein-Personen-Unternehmen, sind unrealistisch und werden auch nicht zu einer Förderung führen, genau so wenig werden surreale Gewinne gefördert. Um hier auf brauchbare Zahlen zu kommen ist es ratsam sich am Markt zu orientieren. Nehmen Sie sich beispielsweise Ihre drei direkten Mitbewerber und betrachten Sie deren Preise um für sich eine entsprechende Berechnungsgrundlage zu erhalten.

Um auf die Werte für die nächsten Monate zu kommen, hinterlegen Sie ihre anvisierte Auftragslage bzw. Auslastung und achten Sie darauf, dass mit steigendem Auftragsvolumen auch Ihre Kosten steigen werden.

Und nun der Textteil

Ist der Zahlenteil geschafft, muss nun nur noch der Textteil geschrieben werden. Was hinter den Zahlen an Überlegungen steckt, wird nun Passage für Passage zu Papier gebracht. In den meisten Fällen kann die folgende Gliederung verwendet werden:

  • Zusammenfassung
  • Informationen zu Ihnen als Gründer (fachliche und kaufmännische Eignung als Unternehmensperson)
  • Gewählte Rechtsform
  • Personalplanung
  • Standort
  • Dienstleistungs- oder Produktangebot
  • Markt und Branche
  • Marketing
  • Chancen und Risiken
  • Investitionsplanung (Welche Einmaligen Kosten haben Sie?)
  • Umsatzplanung (der Zahlenteil)
  • Anlage

In der Anlage befinden sich weitere notwendige Dokumente, wie beispielsweise Ihr Lebenslauf oder wichtige Zertifikate, welche Ihre Qualifikation untermauern. Der Businessplan, welchen Sie sich nun erstellt haben, sollte nicht zu knapp gefasst sein, aber bitte erzählen Sie auch keine Romane. Wenn Sie nach gewissenhaftem Durcharbeiten der einzelnen Punkte nur auf einen Textteil von 3 Seiten kommen, haben Sie allerdings deutlich zu wenig geschrieben.

Nachdem der Businessplan fertig ist, geht es weiter mit den Anträgen. Was brauchen Sie noch? Manchmal wird ein Gründerseminar mit Zertifikat gefordert, andere möchten eine ausführliche fachkundige Stellungnahme zu Ihrem Businessplan. Beachten Sie dies bitte auch bei den Fristen für die Antragseinreichung, denn der Besuch des Gründerseminars / Coachings oder auch das Erstellen der Stellungnahme benötigt Zeit.

4.5. Anträge einreichen

Haben Sie alle Unterlagen zusammen ist es Zeit die Anträge einzureichen. Achten sie darauf, dass wirklich alle geforderten Unterlagen vorhanden und vollständig ausgefüllt worden sind und reichen Sie selbige in einer ordentlichen Form ein. Beantragen Sie, wenn möglich, einen vorfristigen Förderungsbeginn.

4.6. Nachfragen, Nachreichen und Abwarten

Die Bearbeitung der eingereichten Anträge dauert. Wie lange, kann man im Vorfeld nicht immer genau sagen und ist auch stark abhängig von der Art der Förderung. Hat man drei bis vier Wochen nach Antragsstellung nichts gehört, lohnt es den Status des Antrags bei der zuständigen Stelle zu erfragen. Sollten Unterlagen unvollständig sein oder Nachfragen bestehen kann man so wertvolle Zeit sparen, indem man die Unterlagen nachreicht oder Vervollständigen kann.

Diese Wartezeit können Sie nutzen um Medien oder Inhalte für Ihre Existenzgründung vorzubereiten. Möchten Sie beispielsweise eine Website für Ihre Firma erstellen oder erstellen lassen, ist dies die perfekte Zeit um sich um die Inhalte und Texte dafür zu kümmern.

Vom Abschließen verbindlicher Verträge sollten Sie allerdings zu diesem Zeitpunkt noch Abstand nehmen. Werden die Fördermittel nicht oder nicht in der gewünschten Höhe bewilligt, kann dies das Gründungskonzept zum wanken bringen. Warten Sie die Bescheide ab.

4.7. Bescheide Abwarten

Sichten Sie die Bescheide!

Wurden Mittel abgelehnt heißt es ruhig bleiben. Fragen Sie nach den Gründen der Ablehnung oder reichen Sie entsprechend geforderte Unterlagen nach. Sie gehen somit zurück zu Punkt 5.

Wird Ihnen das gewünschte Mittel gewährt oder sie erhalten eine Zusage für einen vorfristigen Maßnahmenbeginn, dürfen Sie jetzt mit der Realisierung der in Ihrem Businessplan beschriebenen Gründung beginnen. Sie können die beantragten Mittel nun wie im jeweiligen Programm vorgesehen abrufen oder erhalten diese zeitnah auf Ihrem Konto gutgeschrieben.

4.8. Alle Kraft in die Realisierung

Planen Sie die einzelnen Schritte auch wieder zeitlich. Wann werden meine Verkaufsartikel geliefert? Wie lange benötige ich zum Umbau der Räumlichkeiten? Was benötige ich zur Eröffnung und wie stelle ich mir die Eröffnung vor? Von der Theorie gehen Sie nun in die Praxis und somit in die Umsetzung ihrer Geschäftsidee.

Viel Erfolg!

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