Physiotherapiepraxis gründen und Kapazität realistisch planen
Nicht vom Wunschumsatz rückwärts rechnen. Erst klären, welche Leistungen wirklich startklar sind, wie viele Termine in die Woche passen und wie viel Nachfrage davon tatsächlich trägt.
Artikelinhalt
Startangebot Kapazität Nachfrage & Mix Räume & Fixkosten Tragfähigkeit Die ersten 90 TagePlanen Sie nur Leistungen ein, die zum Start wirklich abrechenbar sind
Viele Praxisgründungen beginnen mit den Räumen. Wirtschaftlich ist das selten der beste Anfang. Bevor Fläche und Miete sinnvoll bewertet werden können, muss klar sein, welche Leistungen tatsächlich angeboten werden dürfen, wie viel Zeit dafür verfügbar ist und welche Nachfrage realistisch erwartet werden kann.
Für jede Startleistung sollte sichtbar sein, über welchen Abrechnungsweg sie läuft, welche Qualifikation nötig ist, ab wann sie angeboten werden kann, wie viel Bruttozeit sie bindet und welche direkten Kosten entstehen. Gerade zusätzliche Qualifikationen können fachlich sinnvoll sein, aber zum ersten Praxistag noch keinen sicheren Umsatz erzeugen.
| Startleistung | Abrechnung | Bruttozeit | Erlösannahme | Direkte Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Leistung A | GKV, zum Start geklärt | 30 Min. | 30 € | 3 € |
| Leistung B | Privat / Selbstzahler | 30 Min. | 45 € | 3 € |
| Leistung C | Privat / Selbstzahler | 60 Min. | 70 € | 3 € |
Modellwerte zur Illustration, keine Preisempfehlung.
Acht Stunden Anwesenheit sind nicht acht Stunden Behandlung
Rezeptprüfung, Dokumentation, Abrechnung, Hygiene, Telefonate, Wechselzeiten, Terminorganisation und Netzwerkpflege gehören ebenfalls zur Arbeitswoche. Deshalb sollte die Behandlungskapazität aus echter verfügbarer Zeit gerechnet werden.
Die 8 Stunden Administration und der 30-Minuten-Slot sind Modellannahmen. Nach dem Start sollten beide Größen gemessen und ersetzt werden.
Gebuchte Termine, Ausfälle und Leistungsmix sind drei verschiedene Treiber
Von den angebotenen Terminen wird nicht jeder gebucht. Von den gebuchten Terminen findet nicht jeder statt. Deshalb sollten Terminvergabe und nicht nachbesetzbare Ausfälle getrennt geplant werden. Eine schwache Terminvergabe ist vor allem ein Nachfrageproblem. Viele kurzfristige Ausfälle sprechen eher für ein Prozessproblem.
Auch der Leistungsmix gehört separat betrachtet. Der höchste Preis pro Termin ist nicht automatisch die wirtschaftlich beste Leistung. Relevant ist, was pro belegter Stunde nach direkten Kosten übrig bleibt.
| Modellleistung | Erlös | Bruttozeit | Direkte Kosten | DB je belegter Std. |
|---|---|---|---|---|
| A | 30 € | 30 Min. | 3 € | 54 € |
| B | 45 € | 30 Min. | 3 € | 84 € |
| C | 70 € | 60 Min. | 3 € | 67 € |
Die Praxis sollte den Start tragen, nicht schon das spätere Wachstum bezahlen
Wer gesetzlich Versicherte behandeln will, muss die relevanten Zulassungs-, Raum- und Vertragsvoraussetzungen vor der Bindung an einen Standort prüfen. Wirtschaftlich bedeutet das trotzdem nicht, möglichst groß zu starten. Die sinnvolle Frage ist, welche Mindestlösung sicher funktioniert und wie flexibel sie erweitert werden kann.
Welche Behandlungskapazität muss die Miete tragen? Wie lange ist ein langsamerer Anlauf finanzierbar?
Welche Investition wäre bei Umzug oder Kurskorrektur verloren? Ist Erweiterung möglich, ohne heute schon dafür zu zahlen?
Betrieblicher Break-even reicht nicht, wenn privat trotzdem Geld fehlt
Im Modell werden rund 162 tatsächlich erbrachte Termine pro Monat, ein Durchschnittserlös von 38 € und direkte Kosten von 3 € pro Termin angenommen. Bei 2.400 € Fixkosten ergibt sich ein positives Betriebsergebnis. Nach einem modellhaften Steuerpuffer von 25 % bleiben jedoch nur rund 2.450 € verfügbar.
Unter denselben Annahmen werden rückwärts gerechnet ungefähr 49 tatsächlich erbrachte Termine pro Woche benötigt, damit nach dem modellhaften Steuerpuffer rund 2.900 € für den privaten Bedarf verbleiben.
| Terminvergabe | 60 % | 75 % Base | 85 % |
|---|---|---|---|
| erbrachte Termine / Monat | ≈130 | ≈162 | ≈183 |
| Umsatz | ≈4.922 € | ≈6.153 € | ≈6.972 € |
| nach Kosten + 25 % Steuerpuffer | ≈1.600 € | ≈2.450 € | ≈3.016 € |
| gegenüber 2.900 € Privatbedarf | ≈1.300 € darunter | ≈450 € darunter | ≈116 € darüber |
Nach dem Start messen Sie dieselben Annahmen, mit denen Sie vorher gerechnet haben
Sechs Punkte sollten geklärt sein
- Das Startangebot ist fachlich und abrechnungstechnisch realistisch.
- Die Wochenkapazität ist aus echter Arbeitszeit gerechnet.
- Nachfrage und Ausfälle werden getrennt geplant.
- Der Finanzplan reicht bis zum privaten Mindestbedarf und zur monatlichen Liquidität.
- Die Raumlösung erfüllt die notwendigen Anforderungen, ohne das spätere Wachstum vorwegzunehmen.
- Mindestens ein langsamerer Anlauf wurde ebenfalls gerechnet.
Hinweis: Formale und vergütungsbezogene Angaben geben den Stand der im Release-Paket geprüften Quellen wieder und ersetzen keine Beratung im Einzelfall. Sämtliche wirtschaftlichen Zahlen sind Modellannahmen.
Tragfähig wird die Praxis erst, wenn Angebot, Zeit, Nachfrage, Kosten und privater Finanzbedarf gleichzeitig zusammenpassen.
Die eigene Praxis nicht nur eröffnen, sondern tragfähig planen
Im StartEffekt Gründungscoaching übersetzen wir Ihre Annahmen in ein konsistentes Business- und Finanzmodell und machen sichtbar, welche Entscheidungen vor der ersten größeren Bindung noch offen sind.


Kommentare sind geschlossen, aber Trackbacks und Pingbacks sind möglich.